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Eine Fee namens Yvonne

In den Händen von Yvonne Forclaz verwandeln sich bunte Stoffe, Perlen und Bänder in prachtvolle Walliser Trachten. Begegnung mit einer Hüterin des Kulturerbes.

Im kleinen Dorf La Sage, inmitten des Eringertals, posiert die 78-jährige Yvonne Forclaz mit sorgfältig hochgestecktem Haar vor ihrer Singer-Nähmaschine, Jahrgang 1964. Auf ihr hat sie mehr als 500 Trachten angefertigt. Im Hintergrund ist ein alter Kachelofen zu sehen, während das Fenster den Blick auf die spektakulären Walliser Alpen freigibt. Die Szene scheint einem Bilderbuch von früher entnommen, doch der schelmische Blick der alten Dame verrät, dass die Zeit zwar vergeht, Traditionen aber bleiben.

Yvonne kleidet sich noch täglich nach alter Sitte. Heute hat sie sich für einen schwarzen «chùtso» entschieden. In dem Kleid, dessen ärmelloses Oberteil an einen Rock mit sehr hoher Taille genäht ist, ähnelt sie einer guten alten Märchenfee. «Aller Anfang war schwer», erinnert sich die Walliserin. «Niemand wollte an meinen Erfolg als Autodidaktin glauben, nicht einmal mein Mann.» Als jedoch Mitte der 1960er Jahre die Trachten und mit ihnen ein Teil des Walliser Kulturerbes vom Aussterben bedroht waren, wurde der immense Wert von Yvonnes Arbeit auch deren Gatten bewusst.

Die Nachfolge ist gesichert

«Heute trägt man diese Kleider nur noch an religiösen Festen», fügt Schwiegertochter Josiane an. Vor drei Jahren, als ihre Angst, dieses unschätzbare Kulturerbe könnte für immer verschwinden, zu gross wurde, entschied sie sich ihrerseits das Handwerk der Trachtenschneiderin zu erlernen. Und es gibt keine bessere Lehrerin als Yvonne. An zwei bis drei halben Tagen pro Woche übermittelt nun Frau Forclaz senior ihr Können an Frau Forclaz junior. «Sie weiss alles und gibt mir wertvolle Ratschläge, die ich in keinem Buch finde», erklärt die Anfängerin. Die Hüterin der Tradition stimmt dem beipflichtend zu: Jetzt haben Tradition und Kultur wieder eine Zukunft.


Eine zeitlose, wandelbare Mode

2,5 Meter Stoff und 3,2 Meter Samt sind für eine Tracht nötig. Der Stoff wird so in den Nähten versteckt, dass das Kleid später nach Bedarf in der Länge und Breite angepasst werden kann. Die Anfertigung einer Tracht erfordert drei Arbeitstage.

Wallis - Begegnungen im Herzen der Täler

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